Angehörige erzählen...

Endometriose aus Sicht des Partners
Ich bin der männliche Partner einer Frau mit Endometriose und somit auch indirekt betroffen von dieser Krankheit. Gerne nutze ich hier die Gelegenheit die Auswirkungen dieser Diagnose aus meiner Sicht zu schildern und auch den Aspekt Partnerschaft ein bisschen zu beleuchten.

Wir sind nun seit ca. 7 Jahren zusammen und unsere Beziehung war von Anfang an mit sehr dynamischen Stimmungsschwankungen konfrontiert. Aus früheren Beziehungen habe ich gelernt, dass solche Schwankungen bei Frauen nicht ungewöhnlich sind und ich war der Meinung, dass ich als ausgeglichener, ruhiger Mensch mittlerweile sehr gut damit umgehen kann. Die Heftigkeit der Berg- und Talfahrten in meiner aktuellen Partnerschaft überstiegen jedoch alles bisher erlebte. Ein weiterer, sehr schwieriger Aspekt ist die Sexualität. Meine Freundin klagte immer über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, was schlussendlich dazu führte, dass unser Sexualleben praktisch komplett zum Stillstand kam. Ich bin ein einfühlsamer Mann und ich möchte auf keinen Fall dass meine Partnerin wegen mir Schmerzen hat. Jedoch kommt auch bei mir von Zeit zu Zeit das Bedürfnis nach körperlicher Liebe hoch. Leider hat meine Partnerin damit so viele negative Erfahrungen einprogrammiert, dass auch alternative Methoden zum klassischen vaginalen Sex nicht mehr möglich waren. Besonders gelitten habe ich darunter, dass sie mir das Gefühl gab, sie ständig zu bedrängen, obwohl ich meiner Meinung nach damit sehr zurückhaltend war und ein Nein immer akzeptiert habe (vielleicht auch mal ein bisschen schmollend).

Nach der Diagnose wurde uns beiden erst klar, womit wir es hier zu tun haben und weshalb sich unsere Beziehung nicht so ganz einfach gestaltet. Meine Partnerin hat nach der Operation mit diversen Therapieansätzen begonnen und wir sehen nun auch immer wieder kleine Lichtblicke und Erfolge. Wir haben auch an unserer Kommunikation gearbeitet und können inzwischen viel besser mit der Situation umgehen. Wir lassen uns Freiräume wenn wir sie brauchen und haben gelernt zu verstehen und auch mal gegenseitig zu verzeihen, wenn die Emotionen wieder mal zu hohe Wellen geschlagen haben. Hier ist es wichtig, dass beide an sich arbeiten und nicht nur eine einseitige Problemzuweisung stattfindet. Sicher ist, dass diese Partnerschaft viel Geduld, Verständnis und noch viel mehr Liebe benötigt um gemeinsam den schwierigen Weg mit dieser Krankheit zu gehen.

 

Bericht einer Mutter
Meine Tochter musste eine Odyssee von mehr als 10 Jahren und diversen Ärzten durchlaufen, bis sie endlich die Diagnose «Endometriose» erhalten hat.
Obwohl in der Schweiz fast jede 10. Frau an Endometriose leidet, ist diese Krankheit bei vielen noch sehr unbekannt. Besonders erschreckend ist aber, dass auch Frauenärzte zu wenig über diese Krankheit wissen und oft ihre Patientinnen nicht ernst nehmen.
Am schlimmsten für mich als Mutter ist die Ohnmacht und Hilflosigkeit. Gerne würde ich meiner Tochter die Schmerzen und die Ungewissheit abnehmen. Manchmal mache ich mir auch Vorwürfe, dass ich den Ärzten zu fest Vertraut habe. Aber auch ich wusste bis zur Diagnose meiner Tochter nichts von dieser Krankheit.  

Ich bin sehr stolz auf meine Tochter. Sie steckt nicht einfachen den «Kopf in den Sand» und bedauert sich, sondern versucht möglichst vielen Frauen zu helfen, indem sie Aufklärungsarbeit leistet. Zusammen mit anderen betroffenen Frauen haben Sie die Selbsthilfegruppe Aargau und Innerschweiz ins Leben gerufen. Mit Endo-Help Schweiz gibt es noch eine weitere Anlaufstelle für diese Frauen. Denn nur wirklich Betroffene wissen, wovon sie reden und was sie brauchen. Der gemeinsame Austausch ist sehr wichtig.

Den Ärztinnen und Ärzten aus den Endometriosen-Zentren möchte ich ganz herzlich für ihre Unterstützung danken. Sie nehmen diese Frauen ernst und machen ihnen Mut.

Endometriose aus Sicht des Partners
Was bedeutet es wirklich, mit einer Frau zu leben, die Endometriose hat?

Erst mal Frust, viel Frust. Und zwar weil sie potenziell ein Problem hat, bei dem Mann einfach mal so rein gar nicht helfen kann. Eure Partnerin wird immer wieder starke Schmerzen haben. Sie muss sich mit der Diagnose einer lebenslangen, chronischen Krankheit arrangieren, die nicht heilbar ist und im dümmsten Falle sogar den Kinderwunsch zunichtemacht. Dass dabei nicht immer eitel Freude, Sonnenschein herrscht, ist glaube ich verständlich.

Und bei der ganzen Scheisse könnt ihr als Mann einfach mal nichts tun. Ihr könnt es noch nicht mal wirklich nachvollziehen, denn wir kennen nichts Vergleichbares.

Das Einzige was uns bleibt, ist da zu sein und sich selbst vielleicht manchmal etwas zurückzustellen. Wobei auch hier eine offene Kommunikation (von beiden Seiten her) sehr wichtig und wertvoll ist, um sich gegenseitig auch zu verstehen und sich hineinfühlen zu können.

Wir können im Falle einer OP den Hausmann/Butler und Krankenpfleger machen. Aber ansonsten bleibt nur, zuzuhören! Und sich vielleicht auch mal etwas für die Sache interessieren. Ein Buch zum Thema zu lesen, auch wenn es nicht so spannend ist wie der neueste Tom Clancy. Versucht wenigstens, euch in eure Partnerin hineinzufühlen. Fragt nach, wenn ihr etwas wissen möchtet. Zeigt Anteilnahme und Interesse.
Stellt euch darauf ein, dass bei einer hormonellen Behandlung die Stimmung eurer Frau Achterbahn fahren kann. Das darf man ansprechen, aber jammert nicht rum. Sonst fresst die Hormone mit, und schaut mal wies euch dabei geht.

Am Schluss bleibt auch uns nichts anderes als unserer Partner. Nämlich, die Krankheit zu akzeptieren und gemeinsam zu versuchen, so gut wie möglich damit zu leben.

Und trotz der Schwierigkeiten funktioniert das zumindest für mich erstaunlich gut. Ich kann sagen, dass ich trotz der Endometriose keine Andere möchte und die nunmehr über 10 Jahre mit derselben Frau in vollen Zügen geniesse.

 


Endometriose aus Sicht des Partners
Meine Freundin hat Endometriose und aus meiner Sicht ist es wichtig, dass der Partner einer Endometriose-Betroffenen folgende Punkte mitbringt: Akzeptanz, Verständnis, Flexibilität, Spontanität und Eigenständigkeit. Wieso? Die mit Endometriose verbundenen Schmerzen können plötzlich auftreten und sehr stark sein. Genau so schnell kann die Stimmung der Partnerin kippen und ein geplantes Vorhaben nicht umgesetzt werden. Man darf ihr nicht böse sein, wenn sie in solchen Momenten lieber alleine sein möchte. Ich spüre immer wenn es ihr nicht gut geht und zu Beginn der Beziehung dachte ich noch, ich hätte was "verbockt". Eine offene und ehrliche Kommunikation ist daher sehr wichtig. Zuletzt möchte ich sagen, dass es sich auch mit Endometriose hervorragend zusammen leben lässt und ich jede Sekunde mit ihr geniesse.

Endometriose aus Sicht einer Freundin
Meine beste Freundin klagte jahrelang über sehr starke Regelschmerzen. Aber niemand nahm sie wirklich ernst, nicht einmal die unzähligen Frauenärzte-innen.
Aus diesem Grund ist es unglaublich wichtig über das Krankheitsbild Endometriose Bescheid zu wissen. Nehmt eure Liebsten ernst und informiert sie über Endometriose. Um die Schmerzen endlich lindern zu können, ist es wichtig, dass sie die notwendige Behandlung bekommen.